Mehrere Facetten der aktuellen geopolitischen Situation in und um Israel, des Nahen Ostens und Europas wurden bei einem Diskussionsabend von Europa Aeterna von Prof. Heinz Theisen (Bonn) und Chaim Noll (Negev) erörtert. Der Grundtenor des Abends: Der Staat Israel verfügt über einen Willen zur Selbstbehauptung und Wehrhaftigkeit an dem es Europa mangelt. Die europäischen Nationen haben aktuell keine Verteidigungsfähigkeit, weil ihnen das geistige Fundament und die Perspektive dazu fehlen – im Unterschied zu einem starken und optimistischen Israel. In Europa bräuchte es der Wahrnehmung eines Bildungsauftrags, der die Wertschätzung der eigenen Kultur vermittelt, womit auch eine Rückeroberung einer Leitkultur angestrebt werden sollte.
Die Schwäche Europas liegt am Niedergang der christlichen Religion, der in einem Selbsthass wurzelt. Dieser führte zu Ersatzreligionen, insbesondere jene linker Ideologie, die egalitaristisch sowie utopistisch ist und heute global agiert. Ihr zentrale egalitäre Grundannahme gilt auch in Bezug zu den Kulturen, somit ist sie nicht identitär und auch nicht bereit Grenzen anzuerkennen. Israel mit seinem Partikularismus passt in eine Vorstellung der Gleichheit der Kulturen nicht hinein, was die Abneigung vieler Linken gegen Israel und somit auch ihr Bündnis mit Muslimen erklärt. Diese Ideologie führt zur Selbstauflösung und machte eine Migration von 50 Millionen Muslime möglich, die aktuell in Europa leben. Nicht jeder von diesen ist ein Islamist ist, doch gibt es eine islamistische Gefährdung.
Prof. Heinz Theissen warnte vor dem Islamismus, der zwar auch eine Reaktion auf einen anmaßenden Kulturimperialismus des Westen ist, jedoch eine Weltherrschaft anstrebt und sich weltweit ausbreitet. Im Westen findet eher eine Unterstützung der Palästinenser statt. Der Staat Israel sei in dieser Situation Europas Frontstaat. Somit ist die Gefährdung Israels ein Menetekel und Modell für Europa – es verfügt eben über einen Selbstbehauptungswillen, der sich insbesondere in einer hohen Geburtenrate ausdrückt. Ein einst vorhandenes Interesse für woke Anliegen ist durch die jüngsten kriegerischen Auseinandersetzungen in der israelischen Gesellschaft ganz entschwunden, wie Chaim Noll unter anderem zu berichten wußte. Es gibt jedoch die Gefahr einer zu starken Rüstungsindustrie.
Gelebter Patriotismus und Wehrhaftigkeit
Die aktuelle Situation in Israel ist mittlerweile durch einen permanenten Krieg geprägt, der Bestandteil des täglichen Lebens wurde. Doch gerade in und durch diese Gegebenheiten werden bestimmte Werte wie der Patriotismus selbstverständlich gelebt; es wird auch wieder mehr gebetet. Die Israelis, insbesondere die zahlreichen jungen Menschen, verfügen über eine feste Weltanschauung. Die Tradition wird geachtet, es gibt ein Geschichtsbewusstsein, bedingt durch eine entsprechende „Volksbildung“. Familienwerte sind wichtig; die Soldaten, die in Israel Kämpfer genannt werden, erhalten familiäre Unterstützung und überhaupt sehr große Solidarität von der Gesellschaft. Die Kampfes- und auch Opferbereitschaft ist groß, was sich positiv auf die allgemeine Moral auswirkt.
Viele von den Medien kaum veröffentlichte Fakten und Perspektiven wurde an jenem Abend beleuchtet:
- So etwa die hohe Zahl von Freiwilligen in der Israelischen Armee (Tzahal), so wie auch von orthodoxen Juden.
- das Kalkül des Massakers vom Oktober 2023 der Hamas war es die Abrahams Accords, die zu einer Normalisierung der Beziehung Israels zu arabischen Staaten führte, zu torpedieren; die arabischen Eliten im Nahen Osten wollen jedoch einen Ausgleich mit Israel;
- die Hamas verwendet Entwicklungshilfen und iranisches Geld für Waffen;
- die uns präsentierten Zahlen der Einwohnerzahlen sowie auch die der Opfer des Krieges im Gaza stimmen nicht; die zuständigen UNO-Behörden vor Ort sind von der Hamas unterwandert;
- es gibt eine große Anzahl von sogenannten „arabischen Israelis“, die mehrheitlich den Staat Israel befürworten; die Lösung der Palästinenser-Frage könnte darin liegen, so wie diese, Teil des israelischen Staats zu werden;
- hiesige (linksliberale) Repräsentanten der jüdischen Gemeinden vertreten zwar meist andere Positionen als Israelis und viele Juden weltweit; sie singen das Lied der (noch) herrschenden politischen Elite und fördern damit antijüdische Kräfte.
Im Unterschied zum westeuropäischen Christentum, das eine Minderheitsposition darstellt und politisch nicht relevant ist, ist der Zionismus insbesondere durch Theodor Herzl und Rabbi Kook heute eine „politische Theologie“ (Carl Schmitt). Es kann für Europa auf eine Renaissance eines politisch wirkmächtigen Christentums wie in Ungarn oder es das Judentum für den Staat Israel darstellt, gehofft und auch daran gearbeitet werden. Durch eine unsinnige, ideologiegeleitete, naive und falsche Politik verschwendet das politische und traditionsvergessene Europa seine Ressourcen falsch und macht falsche Gegner aus.
Dr. Christian Machek (Wien)
Neuveröffentlichung: Chaim Noll/Heinz Theisen: Verteidigung der Zivilisation, Israel und Europa in der islamischen Bedrohung
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