Das vor einigen Jahrzehnten verfasste und wirkmächtige Werk Sir Karl Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ gibt zu einem großen Teil das Selbstverständnis westlicher Wertevorstellung wieder. Darin äußerte Popper eine Fundamentalkritik an einem Totalitarismus, der Poppers Auffassung zufolge auf Marx und Hegel zurückgeht, jedoch auf eine Tradition, die sich auf Platon beruft. Der bedeutende politische Philosoph und Zeitgenosse Poppers Eric Voegelin bezichtigte jenen der Verkennung Platons und der abendländischen Tradition überhaupt. Wer hat recht?

Popperianer und Platoniker werden sich zusammenzufinden, um miteinander in Offenheit akademisch zu diskutieren und die Begriffe zu klären. Was sagten Platon und Popper eigentlich? Warnte Platon bei seiner Kritik an der Demokratie nicht vor der Tyrannis? Und ist Popper doch kein Relativist und vielleicht sogar ein Liberalkonservativer? Gibt es Missverständnisse und Fehlinterpretationen? Gibt es heute vielleicht andere Feinde der offenen Gesellschaft? Welche Relevanz könnte Platon heute aber auch Popper überhaupt noch haben, gibt es doch Denker, die sich als Platoniker verstehen?

Diese Veranstaltung widmet sich theoretisch-akademischen Fragen, die jedoch auch von aktueller politischer Relevanz sind. Gibt es doch diverse linksliberale Parteien, die sich auf Popper berufen. Gleichzeit gibt es Konzepte Platons wie der Mythos, die Gemeinschaft, die eher bei konservativen oder auch „rechtspopulistischen“ Bewegungen und Parteien wiederzufinden sind. Zurecht oder zu Unrecht? Wer sind die Bewahrer von Freiheit? Wie schaut es mit den (ethischen und kulturellen) Grundlagen der liberalen Demokratie aus?

Die erste Diskussionsrunde fand am 30. November 2024 im Rahmen des Philosophischen Forums in Wien statt.