Warum Platon? Warum könnte es heute ein Interesse an Platon geben? Was hätte er uns heute zu sagen? Einiges. Hegel sagte: „Platons Werke sind ohne Zweifel eines der schönsten Geschenke, welche uns das Schicksal aus dem Altertum aufbewahrt hat.“ Man denke an die platonische Trias des Wahren, Schönen und Guten, die klassischen und schon sehr vergessenen Leitideen unserer Kultur. Platon, der Lehrer des Aristoteles, ist schlicht und einfach der bedeutendste, einflussreichste, weil auch der stärkste Denker des Abendlandes – alle abendländische Philosophie besteht in Fußnoten zu Platon, wie der englische Philosoph Whitehead sagte. Man kann sagen, dass von Platon alle Gedanken stammen, die noch heute geschrieben und diskutiert werden. Er ist Quelle, Vorbild und Archetyp aller authentischen Philosophie; er ist der Philosoph schlechthin – alle wichtigen philosophischen Begriffe gehen auf ihn zurück. Sein Denken wirkt wie ein selten sichtbarer und meist unsichtbarer Geistesstrom bis in unsere Gegenwart hinein. Platons Rede vom gekreuzigten Gerechten zeigt Prophetisches, auch im Hinblick auf das Christentum, weshalb die platonische Philosophie auch als der Advent des Christentums bezeichnet wird. Der kolumbianische Philosoph Nicolás Gómez Dávila äußerte den Gedanken: „Die antike Philosophie ist das andere Alte Testament des Christentums.“ Und doch ist Platon, der eigentlich Aristokles hieß, ein unbekannter Bekannter bzw. ein bekannter Unbekannter. Platon ist eine mythische Figur – was lehrte er eigentlich? Bedauerlicherweise ist er oft missverstanden, falsch interpretiert oder verdrängt worden, weshalb es gilt, sein Wissen zu bergen und für die Gegenwart freizulegen und fruchtbar zu machen.

Sehen Sie unsere bisherigen Beiträge: