„Der freiheitliche, säkulare Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“, so das bekannte Böckenförde-Diktum über die Dialektik des modernen Staates, die früh von Hegel erkannt worden ist. Dieser Staat ist bedroht in Anarchie, bedingt durch einen willkürlichen Individualismus, oder einen Totalitarismus, der die Ordnung erzwingen müsste, umzuschlagen. Die hegelsche Auflösung dieser Dialektik ist der sittliche Staat. Die Familie ist die erste, natürliche Einheit des Sittlichen und die Voraussetzung der Freiheit. Diese Freiheit realisiert der Staat aus dem Bewusstsein der Antriebe und Bindungskräfte, die er aus dem christlichen Glaube speist, so Hegel.

Die Frage und Forderung nach einem sittlichen Staat ist von hoher aktueller politischer Bedeutung: Jenseits von Technokratie, Funktionalismus einerseits und Utopismus andrerseits muss man sich seiner wieder versichern. So etwa bezüglich des Staates in seiner Aufgabe das Gemeinwohl zu realisieren und diverse Interessen auszugleichen. Der Staat in seiner Gemeinsinnigkeit entsprechend der antiken Polis und nicht als „kaltes Ungeheuer“ (F. Nietzsche) ist Formgebung und zugleich Begrenzung von Politik. Er ist dabei Erkennungszeichen eines wohlverstandenen Konservativismus und des Bürgertums, nicht in einer falschen Staatsgläubigkeit, wohl im Sinne eines Staatsbewusstseins.

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