Das Christentum ist keine genuin politische Religion, doch lehrt es Grundsätze, die für das soziale und somit immer auch politische Zusammenleben von höchster Relevanz sind. Der Mensch lebt nie autark oder autonom nur für sich selbst, sondern ist nach klassisch-philosophischem und auch biblischem Verständnis ein zoon politikon (Aristoteles), ein Lebewesen, das sich in Sozialverbänden wie der Familie, Bünde, dem Volk oder dem Staat organisiert. Darüber hinaus ist er immer ein religiöses Wesen, das sein Leben sinnvoll auf höhere Ziele entfalten will. Die Religion gibt dem Menschen wichtige Lebensprinzipien. Das Leben in größeren Sozialverbänden will politisch geordnet sein, was durch bestimmte Werte und Normen geschieht, die maßgeblich religiös vorgegeben sind. Es gibt einen wichtigen inneren Zusammenhang von Religion und Politik – das will (richtig) verstanden werden.

Was nun lehrt das Christentum in Bezug auf das Zusammenleben in seiner Soziallehre eigentlich? Generell ist die Soziallehre eine Unterdisziplin der Moral- und Sittenlehre, die die soziale und politische Dimension des menschlichen Daseins mitumfasst. Es gibt zunächst ein biblisches Fundament, das insbesondere von Protestanten hochgehalten wird, ferner gibt es Lehren der Kirchenväter oder jüngst Verlautbarungen der russisch-orthodoxen Kirche. Jedoch gibt es insbesondere die Katholische Soziallehre, die in biblischen Grundsätzen sowie der lehramtlichen Verkündigung der Päpste grundgelegt ist. Zunächst: Es gibt ein bestimmtes christliches Menschenbild und in der Katholischen Soziallehre Prinzipien wie Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl. Zentral geht es immer um die göttliche Forderung: „Suchet das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit“ (Matthäus 6,33).

Die Prinzipien einer christlichen Sozialethik sind etwa in den Offenbarungen aus der Heiligen Schrift zu finden, so etwa im Dekalog („Nicht morden“ oder „Nicht lügen“), in der Goldene Regel („Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinem andern zu.“) oder auch den Seligpreisungen („Selig sind die Friedensstifter.“). Sie sind jedoch auch im sogenannten Naturrechtsdenken und somit in der Weisheit einer „historisch gereiften Vernunft“ (Papst Benedikt XVI.) zu finden, was eines Rückblickes auf eine bestimmte abendländische Denktradition bedarf. Doch gilt es auch Folgendes zu klären: Was ist das Besondere des christlichen Menschenbildes und seines Begriffes von Würde? Was verstand der Kirchenvater Augustinus unter „Ordnung der Liebe“? Wie sollte sich das Verhältnis von Religion und Staat darstellen? Das Grundsätzliche will geklärt und wieder erkannt werden.