Die Auffassung, dass die Religion eine wichtige Rolle bei der Schaffung und Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung innehat, steht konträr zum säkularen beziehungsweise laizistischen Selbstverständnis, das der Religion eine ebensolche Rolle aberkennt. Beide Positionen wurden in der Geschichte von mehreren Denkern theoretisch fundiert – deren Früchte jeder für sich erkennen möge (vgl. Matthäus 7,13). Wirkmächtig plädierte etwa der englische Philosoph und liberale Gründungsphilosoph der Vereinigten Staaten von Amerika John Locke (1632–1704) für eine Trennung von Religion und Staat, allerdings noch zum Schutze der Religion vor der Bevormundung durch den Staat. Die Revolutionäre Frankreichs trachteten in ihrer Religionsfeindlichkeit, jeden Einfluß von Religion und Kirche zu verbannen – Écrasez l’infâme lautet der Schlachtruf Voltaires (1694–1778). Im Unterschied hierzu war es das Christentum, das zwar eine Unterscheidung beider Sphären, jedoch keine Trennung lehrte. Überdies war es insbesondere der griechische Philosoph Platon (428/7–348 v. Chr.), der einen inneren Zusammenhang zwischen dem Metaphysischen und dem Politischen sah.