Es gibt sie noch, jene Zeitgenossen unter uns, die beanspruchen konservativ zu sein und damit meinen, eine überzeugende, richtige Weltanschauung zu vertreten. Und sie tun es entgegen des heute noch verbreiteten „aufgeklärten“ Vorurteils, Konservative hätten ihre Überzeugungen unreflektiert übernommen und hafteten gestrigen Denk- und Lebensmustern an. Doch stellt sich angesichts der Erosion aller Werte in unseren westeuropäischen Gesellschaften die Frage: Was sollte oder könnte denn heute noch bewahrt werden? Den Konservatismus näher zu erfassen, ist kein leichtes Unterfangen. Der Begriff selbst deckt zunächst ein Bedeutungsfeld ab, das von erprobt, wertgebunden, rettend, stabil bis reaktionär, rückständig, verknöchert reicht. Als speziellen Terminus bezieht er sich auf eine bestimmte weltanschauliche Strömung der politischen Ideengeschichte.

Als bewusste politische Richtung gibt es den Konservativismus seit dem Ausbruch der Französischen Revolution und der Verbreitung ihrer Ideen, die das überkommene (christliche) Ordnungsgefüge Europas radikal in Frage gestellt und erschüttert haben. Somit ist der Konservativismus insbesondere eine Reaktion auf das rationalistische, religionsfeindliche, ungeschichtliche und auch lebensfeindliche Denken der „Aufklärung“ in all seinen Variationen, die Papst Benedikt XVI. als „lebensgefährliche Erkrankung des Geistes“ bezeichnete. Es kann somit festgestellt werden, dass jene konservative Weltanschauung erfassbar ist, handelt es sich dabei doch um die Grundlagen unserer eigenen geistigen Kultur, die mit dem Begriff „Abendland“ umschrieben wird. Diese gehen auf die „drei Hügel“ (Theodor Heuss) zurück, nämlich die Akropolis in Athen, Golgatha in Jerusalem und das Kapitol in Rom.

Eine wichtige Definition des Konservativismus lautet: „Nicht hängen an dem, was war, sondern leben aus dem, was immer gilt“ (Antoine de Rivarol). Entsprechend hat der Konservativismus eine bestimmte Auffassung von der (unveränderlichen) Natur des Menschen, der zunächst als homo religiosus erachtet wird und somit als Person, die Verantwortung übernimmt. Ferner wird der Mensch als schwaches, zum Bösen neigendes „Mängelwesen“ gesehen. Insbesondere besteht entgegen einem sozialistischen Egalitarismus Gerechtigkeit für den Konservativen grundsätzlich darin, „jedem das Seine zu geben“ (Platon). Der Mensch ist entgegen dem liberalistischen Irrtum nicht autonom, sondern erst Mensch in Bindung an Gemeinschaften (wie der Familie und dem Volk) und an höhere, ideelle Werte. Die Bedeutung des politischen Begriffs Konservativismus in allen seinen Facetten und Dimensionen näher zu erschließen, widmet sich Europa Aeterna.