Magdalena Gmehling: Gewitter über Europa – Zeichen des Himmels? 

Blitzgewitter über dem Petersdom in Rom, auch nach dem Abdanken von Papst Benedikt XVI.

Wer die Gegenwart verstehen will, muss die Vergangenheit kennen. Die Verflechtungen von Religion, Macht, Wissenschaft, Schönheit und Kunst verdichten sich zu einem geistigen Kosmos, einem kulturellen Panorama, zum geheimnisvollen Gewebe der Geschichte. Dem Wesen des Menschen ist die Zeit gemäß und in ihr das Werden und Vergehen.

Europa als geistige Grundlage unseres Planeten und als identitätsstiftende Weltmacht schlechthin, befindet sich in höchster Gefahr. Multikulturalismus und Transzendenzverlust bedrohen das Abendland. Wohlstandsverwahrloster Leichtsinn wird zum Lebensprinzip. Die apokalyptische Situation, in welche die Menschen in ihrem globalen Fanatismus auf dem Wege zur One World geraten sind, bleibt weithin verborgen.

Einige seltsame Menetekel

Man entsinne sich: der Begriff Menetekel (Unheil verheißendes Vorzeichen) geht auf eine Begebenheit im Buche Daniel (5) zurück. Belsazar, Sohn und Mitregent des Nebukadnezars, verwendet in tempelschänderischerweise die goldenen und silbernen Gefäße der im babylonischen Exil schmachtenden Juden. Da erscheint an der Wand des Königspalastes eine schreibende Hand mit der Botschaft: Mene, Mene, Tekel, U-Parsin. Nur der visionär begabte jüdische Prophet Daniel vermag die Worte zu deuten: gezählt (werden die Tage des Königs sein), gewogen (wurden seine Taten und zu leicht befunden) und geteilt (wird das Reich und den Persern und Medern übergeben). Noch in derselben Nacht erfüllt sich Belsazars Schicksal.

Warum erinnern wir an diese alte Geschichte? Prophetien ziehen sich durch die Jahrtausende. Zukunftsbedeutsame Zeichen und mysteriöse Ereignisse vermögen den Nachdenklichen in Zeiten scheinbarer Gottverlassenheit zumindest darin bestärken, dass sein Kampf gegen seinsvergessene Mehrheiten nicht vergebens ist. So wollen wir nachfolgend über einige der seltsamen Blitzeinschläge im Petersdom berichten, welche als weltgeschichtliche Omen gedeutet werden können.

Die von Michelangelo entworfene und von einer Laterne gekrönte Kuppel der größten Kirche der Christenheit endet in einem Menetekel, welche auch als Blitzableiter dient. Man vermutet, dass dadurch Funkenentladungen begünstigt werden. Wie dem auch sei. Denkwürdig waren einige gut beglaubigte Ereignisse von folgenschwerer Bedeutsamkeit.

Signifikante Blitzeinschläge

Ein signifikanter Blitzeinschlag soll im Jahre 1809 stattgefunden haben. Das Chaos, welches die Französische Revolution hinterlassen hatte begünstigte Turbulenzen in ganz Europa. Der Benediktiner Chiaramonti, Bischof von Imola, hatte 1800 als Pius VII. den päpstlichen Thron bestiegen; ein kluger, entschlossener und furchtloser Mann. Sein Vorgänger, Pius VI. war in der Verbannung gestorben, nachdem die Ewige Stadt durch General Berthier besetzt und dort die römische Republik ausgerufen worden war.

Am 14. Juni 1800 siegte dann Napoleon Bonaparte in der Schlacht von Marengo (14. Juni 1800) über die Österreicher. Der Franzose war nun neuer Herrscher von Italien. Für Pius VII. begann eine Leidenszeit. Napoleon hatte ihn 1804 nach Paris gelockt, um sich zum Kaiser der Franzosen krönen zu lassen. Der Papst vollzog die Salbung und gürtete den Herrscher mit dem geweihten Degen, die Krone jedoch setzte sich Napoleon im Beisein seiner Heiligkeit selbst auf. Somit amtete der Papst gewissermaßen nur als Zeremonienmeister. Die Begehrlichkeiten und Gewalttätigkeiten Napoleons waren maßlos. Seinem Ziel, den Kirchenstaat zu zerstören kam er gefährlich nahe. Am 17. Mai 1809 proklamierte er dessen Vereinigung mit dem französischen Kaiserreich. Pius sprach den Bann aus, wurde in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli im Quirinalspalast überfallen, auf das Unwürdigste behandelt und nach Savona verschleppt. Eben in dieser Zeit, am 13.Juli, soll es zu dem denkwürdigen Blitzeinschlag gekommen sein.

Eindeutig bezeugt und genau beschrieben ist dann ein vergleichbares Ereignis aus dem Jahre 1870. Das 20. Konzil der katholischen Kirche, das Vatikanum I (1869/70), welches wegen des deutsch-französischen Krieges vorzeitig abgebrochen werden musste, erklärte unter Pius IX. am 18.Juli 1870 das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes, wenn er ex cathedra (vom Lehrstuhl aus) spricht. Dann also, wenn er in Ausübung seines Amtes als oberster Hirte und Lehrer aller Christen, kraft lehramtlicher Gewalt über eine, den Glauben oder die Sitten betreffende Lehre, entscheidet. Seine Privatperson ist von der Verlautbarung nicht betroffen. 1864 war bereits der berühmte „Syllabus“ erschienen.

Pius IX. kämpft gegen die Irrtümer der Moderne. Es ist die Zeit, in der die alten Ordnungen zusammenbrechen. Nach mehr als 300 Jahren beruft er dann eine Kirchenversammlung ein. 601 Konzilsväter erscheinen. Die Meinungen prallen scharf aufeinander. Zwei Lager bekämpfen sich. Mit 451 Ja-Stimmen wird die Konstitution schließlich angenommen. Alte Berichte sprechen von einem regengrauen und stürmischen Tag. Ein heftiges Gewitter zieht auf. Blitze zucken in der Aula und schlagen in die Kuppel des Petersdomes ein. Während ein Prälat unter Donnergrollen und Sturmesbrausen die Endfassung des Dogmas (Pastor Aeternus) vorträgt, geht über dem Sitz des Papstes eine Fensterscheibe zu Bruch und kracht zu Boden. Was für ein Omen! Einen Tag später, am 19. Juli 1870 bricht dann der deutsch-französische Krieg aus. Rom wird nach dem Abzug der französischen Schutztruppen von italienischen Truppen erobert, der Kirchenstaat beseitigt. Im Widerstand kommt es zu scharfen Maßregeln gegen die Kirche und zum Schisma der von Rom abgelösten Altkatholiken unter Ignaz von Döllinger.

Furchterregende Wettererscheinungen

Am 11. Februar 2013 erschütterte ein ungeheurer Blitzschlag den Petersdom, wenige Stunden nachdem Benedikt XVI. seinen Rücktritt angekündigt hatte, den er dann am 28. Februar vollzog. Um 17.56 Uhr fotografiert der Journalist Alessandro Di Meo dieses spektakuläre Naturereignis. Das Bild ging um die Welt, wurde bezweifelt und dann doch verifiziert. 600 Jahre zuvor hatte Coelestin V. freiwillig abgedankt. Der weltfremde Eremit von engelhafter Unschuld war überfordert von den politischen Ränkespielen und erkannte klar, dass er dem Papstamt nicht gewachsen war. Josef Ratzinger, hervorragender Theologe und welterfahrener Traditionalist, begründete seinen Amtsverzicht mit gesundheitlichen Problemen. Offiziell hieß es, Benedikt XVI. fehle die Kraft weiterhin zu regieren. Vorausgegangen waren heftige Skandale (Vatileaks) und die unrechtmäßige Veröffentlichung vertraulicher Dokumente. Bis heute ranken sich Spekulationen um die wahren Hintergründe dieses ungewöhnlichen Schrittes.

Das ereignisreiche Jahr 2016 war von politischen Umbrüchen und Terroranschlägen geprägt. Am 7. 10. 2016 feierte man das Rosenkranzfest und den 445. Gedenktag der Seeschlacht von Lepanto (1571). Pius V. hatte damals als Dank für den überraschenden Sieg der christlichen Mittelmeermächte über die Osmanen das „Festum Beatae Mariae Virginis a Rosario“ eingeführt. 2016 tobte am 7. Oktober ein schweres Gewitter über dem Vatikan. Um 9.20 Uhr schlug der Blitz ein. Man brachte dieses himmlische Zeichen in Verbindung zu dem am 8. April 2016 erlassenen Apostolischen Schreiben „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus. Dort wird im VIII. Kapitel der Zugang zu den Sakramenten (Beichte und Kommunion) von Geschiedenen und in einer neuen Lebensgemeinschaft lebender Personen, im Widerspruch zu früheren Dokumenten als möglich erachtet, falls eine Einzelfallprüfung günstig ausfällt. Eine unerhörte Neuerung. Es kommt zu der Dubia-Kontroverse mit vier Kardinälen, die der Regelung heftig widersprechen. 2023 folgte dann diesem fragwürdigen Dokument die höchst umstrittene Verlautbarung „Fiducia supplicans“ über eine unter bestimmten Voraussetzungen mögliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.

Christliches Abendland, quo vadis?

Am 12. 3. 2026 schlug ein gewaltiger Blitz direkt in die Kuppel des Petersdomes ein. Das Ereignis wurde von Michael Haynes, dem Rom-Korrespondenten des Catholic Herald fotografiert. Kurz zuvor am 28. 2. 26 erfolgte der völkerrechtswidrige Angriff der USA und Israels auf den Iran. Es kommt zu einer Polarisierung zwischen Leo XVI. und Präsident Trump, der sich in Schmähreden gegen den aus den USA stammenden Robert Prevost ergeht. Rom selbst befindet sich in einer heiklen Situation. Zwei Entscheidungen stehen an. Leo XVI. pendelt gewissermaßen zwischen Scylla und Charybdis. Einerseits drohen die für den 1. Juli 2026 angekündigten gültigen, aber unerlaubten Bischofsweihen der FSSPX, andererseits unterläuft ein Teil der deutschen Bischöfe bewusst das jüngst ausgesprochene Verbot der Einführung von Segensritualen für „Paare, die sich lieben“ (was noch weit über fiducia supplicans hinausgeht).

Es bleibt abzuwarten, ob der tragische Versuch der Umprägung des Menschen in eine neue Form korrigiert werden kann. Wie wird die Glaubenskrise, welche unmittelbar mit der Bagatellisierung transzendenter Dimensionen zusammenhängt, überwunden werden? Was ist dem woken Totalitarismus, der Europa durchseucht, entgegenzuhalten? Die Besinnung auf die christliche Identität unseres Kontinents wird maßgebend für die Zukunft. Das christliche Abendland muss weiterhin durch die Jahrhunderte leuchten!

Magdalena Gmehling (Bayern)