Gedenktag: Thomas von Aquin

In diesem Jahr feiert Thomas von Aquin seinen 799. Geburtstag und seinen 750. Todestag. Der Aquinat ist der herausragende Lehrer der Katholischen Kirche; seine Denkschule wurde von Papst Leo XIII. als maßgebende bestimmt. Seine ordentliche Leistung besteht vor allem in der systematischen Synthese der klassischen Antike mit den Lehren der Kirchenväter und christlichen Tradition. Somit versuchte Thomas in seinen Werken Glaube und Vernunft, Philosophie und Theologie zusammenzubringen. Thomas gilt als wichtiger Vertreter der Denkschule der Scholastik. Er wurde 1323 heiliggesprochen. Thomas wurde zum Kirchenlehrer ernannt und wird auch als Doctor angelicus, engelsgleicher Lehrer, bezeichnet. 1274 nahm er am Konzil von Lyon teil, an dem versucht wurde die westliche und östliche Kirche wiederzuvereinen.

Thomas Aquin wurde vermutlich 1224 in Roccasecca in Italien geboren, sein Vater war deutscher Abstammung. Schon im frühen Kindesalter erhielt er seine Ausbildung im Kloster Monte Cassino. Später trat er trotz der Widerstände seiner Familie in den Dominikanerorden ein, der ihn zum Studium nach Köln zu seinem Ordensbruder Albertus Magnus entsandte. Später sollte Thomas zu führenden Universität Europas nach Paris gehen. In seinem Studium befasste sich Thomas intensiv mit der Heiligen Schrift. Als Magister der Theologie hielt er zu seiner Antrittsvorlesung eine Auslegung zu Psalm 103,13: „Wenn du den Berg von oben bewässerst, wird die Erde mit der Frucht seiner Werke erfüllt sein.“

Thomas‘ wichtiges Werk ist die die Summa Theologiae, dass die gesamte Theologie und Lehre der Kirche zusammenfassen. Sie umfasst 500 Seiten und galt als Grundlage des Theologiestudiums der katholischen Kirche auf der ganzen Welt. Doch sollten Thomas auch Gebete und Hymnen für die Liturgie verfassen. Er gründete mehrere Studienhäuser. Zu seinen Lebzeiten wurde Aristoteles entdeckt und durch Thomas interpretiert und „getauft“. Darüber hinaus bezog sich Thomas insbesondere auf den Kirchenlehrer Augustinus und auch Boethius. Das Streben nach Wissen und Wahrheit findet für Thomas seine Erfüllung im Glauben, weshalb er am Ende seines Lebens aufhörte zu schreiben und sagte: „Ich kann nicht mehr; vor dem, was ich gesehen habe, erscheint mir alles, was ich schrieb, wie Spreu.“

Natur und Gnade

Entsprechend des Aristotelismus sah Thomas die Dinge in ihrem Eigensein: „Alles Kreatürliche ist gut, weil es von Gott geschaffen wurde.“ Daher wird Thomas sagen: „Die Gnade hebt die Natur nicht auf, sondern setzt sie voraus.“ In Sachen Ethik steht das Streben nach der Glückseligkeit im Zentrum des thomasischen Denken, und diese wird verwirklicht durch die Praxis der Tugend. Das Glück findet der Mensch nicht in Maßlosigkeiten, Zügellosigkeiten, Feigheit, Ungerechtigkeit oder Geiz, sondern in einem Leben entsprechend der Tugend. Die herausragenden Tugenden sind die Kardinaltugenden, Klugheit, Tapferkeit, Maß und Gerechtigkeit sowie die eingegossenen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung. Klugheit ist die „Weisheit in menschlichen Dingen“ und Fähigkeit in einer jeweiligen konkreten Situation die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Die Tugend ist ein Gutes und je mehr ich mich dem Guten annähre, desto freier bin, so Thomas entsprechend der Tradition und entgegen modernen Verengungen bezüglich des Freiheitsverständnisses.

Thomas von Aquin war einer der einflussreichsten Theoretiker für das mittelalterliche Staatsdenken. Er sah den Menschen als ein soziales Wesen an, das in einer Gemeinschaft leben muss. In dieser Gemeinschaft tauscht er sich mit seinen Artgenossen aus, und es kommt zur gottgewollten Aufteilung der Arbeit. Die Politik hat sich als Ordnungsdenken dem natürlichen Gesetz bzw. der Schöpfungsordnung zu unterwerfen. Dennoch wird Thomas das Naturrecht vom positiven Recht unterscheiden. Das menschliche Gesetz, die lex humana, soll dem ewigen Gesetz (lex aeterna) und somit dem Naturrecht entsprechen. Dementsprechend formuliert Thomas von Aquin: „Das Gesetz ist eine Verordnung der Vernunft, die im Hinblick auf das Gemeinwohl von dem erlassen wird, der die Sorge für die Gemeinschaft trägt.“ Für den Staat empfiehlt er die Monarchie als beste Regierungsform mit aristokratischen und demokratischen Elementen, denn ein Monarch kann mehr Einheit bewirken. Der König als Vertreter Gottes im Staat ist mit einem Herz des Körpers zu vergleichen. Thomas sieht den Sinn des Politischen darin, Frieden zu stiften und zu wahren, damit sich der einzelne Mensch ungestört der Betrachtung der Wahrheit widmen kann.