Zur Verteidigung der Würde der Frau

Alice Salomon, Begründerin der Sozialen Arbeit als Wissenschaft

Angesichts des heutigen „Feminismus“ am „Internationalen Tag der Frau“ stellt sich die Frage nach dem Wesen und den Forderungen desselben sowie überhaupt nach der Würde und der gesellschaftlichen Stellung der Frau. Bedarf es einer Abgrenzung zum heute propagierten und vom Sozialismus-Marxismus geprägten Feminismus? Die linksextreme und verfassungsfeindliche „Linke“ hat bei der Bundestagswahl bei jungen Frauen gewonnen, junge Männer wählen eher rechts. In Frankreich ließ jüngst das Collectif Némésis von sich hören, das sich für Frauen und die (meist von muslimischen Migranten verursachte) Gewalt gegen sie öffentlich ausspricht. Die Frau und was sie wirklich will ist eines der wichtigsten gesellschaftlichen und politischen Themen der Gegenwart.

Der Feminismus in seinen verschiedenen Dimensionen:

1. Der Feminismus als Verteidigung der wahren Würde der Frau gegen alle Formen der Erniedrigung, Missachtung und Unterdrückung ist ein völlig legitimes Anliegen, welches das Christentum wie keine Religion der Welt verteidigt und zu verteidigen sich verpflichtet. Die Erniedrigung der Frau zu einem bloßen Lustobjekt, ihre Ausbeutung in der Prostitution und Pornographie, waren und sind in der Gesellschaft leider verbreitet – insbesondere in unseren Breiten versteckt durch die massive sexualisierende Propaganda, Verhütung und den damit verbundenen Verrat an der Mutterschaft. Wenn unter Feminismus somit die Verteidigung der Würde der Frau gegen ihre Erniedrigung gemeint ist, dann ist dieses Anliegen völlig berechtigt und auf jeden Fall unterstützungswürdig.

2. Es gibt jedoch auch einen Feminismus als verkehrte Verteidigung einer verkehrten Würde der Frau. Diese besteht im Kern in der Leugnung der leib-geistigen Verschiedenheit von Mann und Frau, in deren Konsequenz eine (sozialistische) Gleichmacherei mit einem Abbau der „Geschlechterrollen-Differenzierungen“ steht. Dies hat zur Folge, dass frauenspezifische Berufe und Berufungen oft als Formen der Benachteiligung der Frau gesehen werden. Eine weitere Dimension dieses Feminismus ist die Berufung auf ein Recht zu unmoralischen Handlungen und Akten, die auch einem Mann nicht zustehen, im Letzten auf ein gefordertes und nicht existentes „Recht auf Abtreibung“. Man gendert, ist gegen Priesterweihen nur für Männer und wähnt sich in einer Opferrolle:

„Frauen sind das erste Opfer des Krieges, sie verlieren ihre Männer und Söhne im Krieg.“ (Hillary Clinton)

3. In der soeben beschriebenen Dimension hat sich der Feminismus auch zu einer umfassenden „emanzipatorischen Befreiungsideologie“ entwickelt, die marxistisch die Verschiedenheit sowie auch Beziehungen (inklusive der Ehe) von Mann und Frau als eine Form der Unterdrückung versteht, die eine universale Revolution gegen alle anthropologischen und sozialen Ordnungen in Moral, Tradition und Religion propagiert. Diese Bewegung zielt auf eine Entmännlichung und geschieht auch zum Leidwesen der Frau. Die christliche und jüdische Religion (mit ihrem doppelten Liebesgebot) wird in diesem Sinne massiv abgelehnt, angefeindet und bekämpft; eine Anfeindung, die sich jedoch auf den immer stärker werdenden Islam wenig bis kaum erstreckt. Dieser ideologischer Irrweg hat in der jüngeren Vergangenheit eine männliche Gegenbewegung provoziert.

Anthropologisches Wesen von Mann und Frau

Bei allen Gemeinsamkeiten durch die Zugehörigkeit zur Gattung Mensch gibt es spezifische Unterschiede zwischen Mann und Frau, die feststellbar sind. Falsch wäre es (mit Jean-Jacques Rousseau oder Simone de Beauvoir) entsprechend eines Genderismus zu behaupten, der Mensch sei bloßes Konstrukt seiner Umwelt oder des Eigenwillen; tatsächlich gibt es komplementäre Wesensunterschiede. So ist die Gabe der Intuition, des Einfühlsvermögens, der Beobachtung bei der Frau ausgeprägter; Frauen sind sensibler, empathischer und schöner als Männer. Beim Mann hingegen ist das abstrakte Verstehen, Aktivität und Spontanität in der Regel ausgeprägter; Männer sind physisch stärker, in der Regel sachlicher, bieten Frauen Lösungen an, wenn sie nur verstanden werden wollen. Die Frau ist intrinsischer, der Mann exzentrischer.

Statistische Durchschnittswerte lassen eine durch Eigenschaften erkennbare (metaphysische) „Idee“ des Mannes und der Frau erkennen. Kann ein Mann mehr von seinem Ich abstrahieren mit der Gefahr zu zerfallen, ist eine Frau ganzheitlicher, eine Einheit von Verstand, Wille und Herz. Eben dieses Zugleichbestehen von Wollen, Fühlen und Denken befestigt den Zauber des (ewig) Weiblichen und macht die Frau geeignet für bestimmte Berufe und Berufungen in denen die Einheit der menschlichen Person ganz besonders gefordert wird, wie die Krankenschwester, Kinderärztin oder auch Mutter (– siehe die Dokumentation „Das Gleichstellungsparadoxon“ des norwegischen Soziologen und Komikers Harald Eia, die zu Beendigung der Gender-Förderung in Nowegen führte). Dagegen:

„Männer verrohren, vertrocknen, verknöchern, sie ‚versachlichen‘ gleichsam, d.h. sie werden entweder zu bloßen Beamten oder Sklaven ihres Berufes und der Sache, der sie sich widmen, wenn sie ganz von jeder Berührung mit Frauen in ihrem Leben abgesperrt sind.“ (Dietrich von Hildebrand)

Nicht selten wird von Feministen (sowie Feminist*innen und FeministInnen) attestiert, dass die männliche Kultur rational „verkopft“, eine weibliche hingegen die Frucht der Phantasie und des Gefühls sei. Wären demnach Liebe und Hingabe Prinzipien der Weiblichkeit? Sind starrer Gerechtigkeitssinn, mutvolle Stärke oder Entschlossenheit bis in den Tod eher männliche Eigenschaften? Eher schon, doch ganz so einfach verhält es sich nicht. Sicherlich sind Männer auch der Liebe und Hingabe fähig, doch wie könnte eine Frau die Beschwerden und Schmerzen von Schwangerschaft und Geburt überstehen, wenn sie nicht über eine besondere Stärke verfügte?

Komplementarität von Mann und Frau

Bei sämtlichen Überlegungen über Mann und Frau ist es von großer Bedeutung, sich der Tatsache bewusst zu bleiben, hier keinen Gegensatz in einem feindlichen Sinn zugrunde zu legen, sondern vielmehr einen positiv zu wertenden, tief komplementären Unterschied auszumachen. Tatsächlich sind Mann und Frau für einander geschaffen, ergänzen einander und sind gerade in ihrer Verschiedenheit und gegenseitigen Zuordnung „der Mensch“, was sich in der Liebe eines Paares ausdrückt. An diesem Punkt geht der heute meist propagierte (neomarxistische bzw. kulturmarxistische) Feminismus fehl, wenn in einer Gleichmacherei und somit Nivellierung die komplementären und sich gegenseitig befruchtenden Unterschiede abgeschafft werden sollen.

Von Vertretern des Feminismus wird oft in Verkennung der historischen Tatsache dem Christentum die Unterdrückung der Frau vorgeworfen – es war jedoch das Christentum, dass revolutionär, etwa im Unterschied zu Aristoteles, die gleiche (wurzelhafte zu aktualisierende) Würde von Mann und Frau lehrte. Einseitige und unhaltbare vorurteilsbehaftete Behauptungen zu Frauen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind zurückzuweisen, doch war es eine falsche Gleichmacherei, die zur Abwertung der Mutterschaft und zu unfassbaren Zerstörungen von Ehen, Familien und Kinderseelen im Westen entscheidend beitrug. Das Gendern führt in diesem Sinn auch nur zur Zerstörung der Sprache und hilft kaum gegen eine Diskriminierung von Frauen.

Bedauerlicherweise herrscht heute oft eine Verachtung der spezifisch weiblichen wie auch männlichen Aufgaben (Soldaten, Handwerker, Metzger, Philosophen, etc.) vor. Es gibt geschlechtsspezifische Aufgaben ohne deren Erfüllung unser Zusammenleben nicht gut funktionieren würde. Der ritterlich gesinnte Mann will die Frau schützen und von manchen Aufgaben sowie Dienste (wie dem Schleppen von Koffern) entlasten. Eine Prädominanz des materiellen Wertmaßstabes der Nützlichkeit und ökonomischen Effizienz im Unterschied zum inneren Wert einer Person ist hier als Übel zu sehen. Generell begründet der Grad der Demut und Hingabe einer Tätigkeit auch ihren menschlicher Wert. Es ist somit gerade die Kirche und ihre Morallehre, die die Würde der Frau schützt.

Das ewig Weibliche und die Liebe

Das spezifisch Weibliche ist mit dem spezifisch Menschlichen im Vollsinn des Wortes identisch. An diesem Punkt versagt der heute meist propagierte Feminismus, der seine Wurzeln auch im Wertsubjektivismus, Evolutionismus sowie Historismus hat und keine (ewigen) Wahrheiten kennt. Diese Ideologie hat zu einer Tragödie der westlichen Gesellschaften geführt, wo nur der Wert von „werktätige“ Frauen gesehen wird und Kinder bisweilen ohne Mutterliebe in Tagesstätten aufwachsen. Diese Feststellung suggeriert keine Ablehnung einer haushaltlichen Arbeitsteilung. Diese Ideologie zielt – wie von Marx und Engels so formuliert – auf die Abschaffung der Familie, womit sie eine radikale Auflehnung gegen die göttliche Ordnung ist.

„Insofern die Frau jedoch das Herz und damit die Liebe, die caritas, als innerste göttliche Eigenschaft, sowie die innere Einheit des personalen Wesens, vollkommener verkörpert als der Mann, wäre sie auch als Frau der göttlichen Liebe und damit dem innersten Wesen Gottes, der ‚die Liebe ist‘, ähnlicher als der Mann. (…) Von der Frau gilt in besonderer Weise, dass ihre Liebe, die das Herz der Ehe und Familie sein soll, prophetisch die Wahrheit zu verkörpern berufen ist, dass die Liebe das Größte ist.“ (Josef Seifert)