Charles Coulombe über Monarchie, Aristokratie und die Reichsidee

Die Reichskrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen in der Wiener Hofburg

Die Reichsidee ist das Konzept einer übernationalen Herrschaft über ein Reich. Sie prägte das Abendland über Jahrhunderte und besteht insbesondere aus zwei Prinzipien, nämlich dem christlichen Glauben und der Subsidiarität. Die Reichsidee ist noch in einigen Monarchien (wie Großbritannien, Spanien, Belgien, Liechtenstein, im Namen: Österreich) präsent und für linkssozialistische Propaganda auf das „Dritte Reich“ beschränkt. Bei den wichtigen Denkern der Tradition ist ein Königreich als Teil einer Mischverfassung die ideale Regierungsform, weil sie am ehesten für eine ordnende Einheit sorgt. Als nie ganz realisierte Idee ist die Reichsidee immer nur ein Abglanz des Reiches Gottes.

Hier finden Sie die Ausführungen zur Verteidigung des Reichsgedanken von Charles Coulombe

Zur Reichsidee:

König Heinrich II. und seine Frau Gundula (im 9./10. Jahrhundert) wußten um die Größe des Gedankens vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen und waren in all ihren Taten darauf bedacht, ihm Achtung zu verschaffen. Der König ließ sich während seiner Regierung nur von den Interessen des Reiches leiten und verstand das Reich als eine heilige Gemeinschaft. „Bi ihm stund wohl das Rich“ bezeugt eine alte Urkunde. Heinrich ist gestorben, und beinahe scheint es, er habe das Reich in den Tod mitgenommen. Doch bleibt der Reichsgedanke eine große Idee.

Zwar wird das Gottesreich oft mit dem weltlichen Reich verwechselt. Wie entsetzlich die Reichsidee geschändet werden kann, wurde in den Tagen des „Dritten Reiches“ erfahren. Man hat das Reich grauenhaft mißbraucht und dennoch ist die Reichsidee turmhoch erhaben über die bloß utilitaristische Staatsauffassung, die heutzutage nur noch wirtschaftliche Fragen kennt und die Nationen zu Einkaufszentren erniedrigt. Für einen solchen Händlerstandpunkt lohnt es sich nicht zu leben, während die Reichsidee Menschen zutiefst zu entflammen vermag.

Der Idee des Reiches liegt der Ordnungsgedanke zugrunde

Der Idee des Reiches liegt der Ordnungsgedanke zugrunde. Angesichts der schrecklichen Unordnung auf der ganzen Welt regelt die Idee der Ordnung das Zusammensein der Menschen. Heinrich hat Ordnung geschaffen; hierarchische Ordnung war sein Lebenselement, eine Aufgabe, die von zeitloser Gültigkeit ist. Nach dem Neuen Testament ist Gott ein Gott der Ordnung und nicht der Unordnung. Wir sind überzeugt davon, was der göttlichen Ordnung unter Menschen Geltung verschafft, ist gut und was das Chaos vergrößert, ist den unteren, zersetzenden Mächten verpflichtet.

Heute ist das Reich versunken, worüber man sich keinen Illusionen hingeben darf. Wir müssen uns gegenwärtig mehr denn je auf das christliche Reich besinnen. Jesus ist mit dem Ruf aufgetreten:

„Denkt um, denn das Reich ist nahe herbeigekommen.“ (Mk 1,2-8; Lk 3,1-18)

Das Reich steht in der Botschaft Christi im Mittelpunkt. Aber er dachte nicht an ein mit Waffengewalt zu erobern oder zu verteidigendes Reich. Jesus antwortete Pontius Pilatus ganz unmissverständlich. „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Joh 18,36) Bei dieser Aussage müssten wir uns viel stärker auf das innere Reich besinnen. Deshalb ziehen wir uns gegenwärtig auf dieses innere Reich zurück, nicht damit es innerlich bleibe, sondern damit wir wieder an die Gestaltung eines neuen Reiches denken können, wenn die Zeit dazu reif geworden ist. Vom Reich Gottes ist das irdische Reich nur ein schwaches Abbild. Am ewigen Reich aber halten wir fest, weil wir gewiß sind, daß niemand es uns rauben kann.

Walter Nigg, entnommen aus: Heilige und Dichter