Volk und Nation im Judentum und orthodoxen Christentum

Die Russisch-Orthodoxe St. Magdalena-Kirche am Ölberg vor dem Felsendom in Jerusalem

In zwei Vorträgen werden das Selbstverständnis des Judentums sowie der christlichen Orthodoxie und ihres jeweiligen Verhältnis zum Konzept der Nation erläutert:

Religion und Nation im Judentum: Artur Abramovych (Berlin) erklärt, dass das Judentum und die jüdische Existenz entgegen dem einseitigen rein säkularen Zionismus oder liberal-jüdischer Missverständnisse „dualistisch“ gleichzeitig sowohl Religion als auch Nation sind. Judentum ist das „Bundesvolk“ (Hans-Joachim Schoeps), entstanden bei der Pessach-Feier und der Offenbarung am Sinai – es ist von Gott auserwählt. Entgegen einem immanentistischen Missverständnis des Messianismus (in Form des Sozialismus) hat sich das nationale Element in der jüngeren Vergangenheit im Judentum stärken können, wie es im Staat Israel feststellbar ist. Ein jüdisches National- und Staatsverständnis wäre demnach nicht laizistisch, sondern religiös. Das Video finden Sie hier.

Religion und Nation im orthodoxen Christentum: Dozent Dr. Dušan Dostanić (Belgrad) beleuchtet im Lichte gegenwärtiger ideologischer Verirrungen, amtskirchenpolitischer Positionierungen und (rechts)konservativen Denkens das orthodoxe Selbstverständnis. Die „Christusverähnlichung“, die „Befestigung“ der geistigen Ordnung im Irdischen, ist die zentrale christliche Botschaft. Das Kreuz und die Kirche sind Erzieher zu wahrer Tugendhaftigkeit und Freiheit, auch der Nation. Dies bedeutet (wie im Falle Serbiens) eine Verschmelzung bzw. Symphonie von Religion und Nation in der Orthodoxie. Das Universale verwirklicht sich in der Gestalt der Nation. Ein Theozentrismus und kein Anthropozentrismus oder Globalismus schützt die Nation. Das Video finden Sie hier.