Unsere Aufgabe, eine katholische Gesellschaft wieder zu errichten, erscheint heute ferner und schwieriger denn je. Die theoretischen Grundlagen, die mit der katholischen Soziallehre und der Berufsständischen Ordnung (BO) gegeben sind, sind ganzheitlich, schlüssig und attraktiv, besonders im Vergleich zum aktuellen Zustand unserer Gesellschaft. Doch können wir diese Prinzipien überhaupt in die Tat umsetzen? An dieser Stelle kommt die Katholische Aktion ins Spiel. Sie ist die katholische Soziallehre in der Praxis. Die Katholische Aktion bietet uns Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten für die jeweiligen konkreten Umstände, in denen wir uns befinden.
Es sei im Vorfeld betont, dass keine der im Folgenden beispielhaft genannten Aktionen im Einzelnen ausreichen wird, um unsere Gesellschaft vollständig zu katholisieren. Denn es mangelt uns heute nicht nur am wahren Glauben und den daraus abgeleiteten Sitten, wie dies etwa im vorchristlichen Heidentum der Fall gewesen ist. Heute wird erstmals die Natur des Menschen angegriffen, sodass eine wesentliche Aufgabe der Katholischen Aktion heute darin bestehen muss, das natürliche und naturrechtliche Fundament wiederherzustellen. Uns fällt es also zu, durch viele kleine und konkrete Maßnahmen einen fruchtbaren Boden für die Gnade Gottes zu bereiten, ohne die wir keine katholische Gesellschaft werden errichten können.
Die Katholische Aktion: Der Unterschied zum Laienapostolat
Dabei muss die Katholische Aktion vom Laienapostolat unterschieden werden. Dieses zielt in erster Linie auf die Bekehrung einzelner Seelen, zum Beispiel durch Verteilen von Glaubensschriften und wundertätiger Medaillen, öffentliches Rosenkranzgebet, Prozessionen, persönliche Gespräche etc. Von diesen löblichen Initiativen kann es selbstverständlich nicht genug geben. Es braucht jedoch auch dringend den Einsatz für die katholische Gestaltung des öffentlichen Raums, der staatlichen Institutionen und der gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Organisationen. Darauf zielt die Katholische Aktion. Während die katholische Soziallehre Antworten auf politische, soziale und gesellschaftliche Fragen unserer Zeit geben muss, muss die Katholische Aktion diese Antworten in die Praxis umsetzen. Schließlich wird eine Gesellschaft in ihren Institutionen, Gesetzen, Regeln, Werten, Narrativen etc. nicht notwendig katholisch, nur weil die Mehrheit ihrer Mitglieder katholisch ist. Das ist in der Regel eine notwendige Voraussetzung, aber nicht alles.
Des Weiteren nimmt das Laienapostolat Anteil an der missionarischen Sendung der Kirche und muss daher immer direkt der kirchlichen Hierarchie untergeordnet sein. Die Katholische Aktion nimmt nur indirekt an dieser Sendung Anteil, da sie sich in erster Linie auf den weltlichen, zeitlichen Bereich bezieht, weshalb sie der kirchlichen Hierarchie indirekt untergeordnet ist. Sie empfängt zwar keine direkten Anweisungen der Bischöfe und Priester in weltlichen Angelegenheiten, muss jedoch deren geistliche Autorität und Rat akzeptieren und ihre Tätigkeiten vollständig auf der katholischen Lehre aufbauen.
Selbstverständlich dürfen Laienapostolat und Katholische Aktion nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern müssen Hand in Hand gehen. Diese Unterscheidung ist zuallererst theoretischer Natur. In der Praxis sind die Übergänge ohnehin fließend: Es braucht natürlich bekehrte einzelne Seelen für den Aufbau einer katholischen Gesellschaft und diese wirkt durch ihre Institutionen wiederum missionarisch auf ihre einzelnen Mitglieder. „Auch ist in dieser Hinsicht kein Unterschied zu machen zwischen Einzelmenschen und häuslichen oder bürgerlichen Gemeinschaften, denn die in Gemeinschaften vereinigten Menschen stehen nicht minder unter der Herrschermacht Christi als die Einzelmenschen. Es gibt ja nur eine Quelle des Heiles, des persönlichen wie des gemeinschaftlichen: Es ist in keinem andern Heil; und kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, durch den wir selig werden sollten. Ein und derselbe ist Urheber des Gedeihens und wahren Glückes für die einzelnen Bürger wie für die Staaten“, erklärt Pius XI. in „Quas Primas“1.
Was ist die Katholische Aktion?
Laut dem hl. Pius X. besteht die Katholische Aktion grundsätzlich darin, alle
„Kräfte zusammenzuschließen, um mit allen gerechten und legalen Mitteln die antichristliche Zivilisation zu bekämpfen; auf alle Weise die schweren Schäden auszugleichen, die diese verursacht; Jesus Christus wieder in die Familie, in die Schule und in die Gesellschaft zurückzuführen; dem Prinzip der menschlichen Autorität als Stellvertreterin der göttlichen wieder Geltung zu verschaffen; sich die Interessen des Volkes, insbesondere des Arbeiter- und des Bauernstandes, angelegen sein zu lassen, und zwar nicht nur, indem man den Herzen die religiösen Prinzipien einprägt, die die einzige Quelle des Trostes in den Ängsten dieses Lebens sind, sondern auch indem man sich bemüht, die Tränen zu trocknen, die Schmerzen zu lindern und durch richtig eingeleitete Maßnahmen die wirtschaftliche Lage zu verbessern; dementsprechend darauf hinzuwirken, dass die staatlichen Gesetze von Gerechtigkeit geprägt sind und dass jene, die der Gerechtigkeit widersprechen, korrigiert oder aufgehoben werden; schließlich in allen Dingen die Rechte Gottes und die nicht weniger geheiligten der Kirche zu verteidigen und mit wahrhaft katholischem Geist zu unterstützen.“2
Die Katholische Aktion umfasst demnach alle Bestrebungen von katholischen Laien, die christliche Zivilisation bzw. das soziale Christkönigtum wiederherzustellen. Sie besteht in der Anwendung der Prinzipien der katholischen Soziallehre auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens: Politik, Wirtschaft, Kultur, Bildung usw. Die konkrete Form und die konkreten Mittel der Katholischen Aktion sind von den jeweiligen gesellschaftlichen und zeitlichen Umständen abhängig. Darunter fallen heute Denkfabriken, Medien, Verlage, politische und soziale Bewegungen, Berufsverbände, Politiker, Aktivisten, Autoren, Künstler uvm. Die Katholische Aktion ist im engeren Sinne eine Erscheinung der Moderne, in der weder die Gesellschaften in ihren Institutionen katholisch geprägt sind noch Katholiken die zahlenmäßige Mehrheit stellen. Dadurch wird es für Katholiken notwendig, sich gezielt zu organisieren und eine umfassende Strategie für die Wiederherstellung des sozialen Christkönigtums in allen relevanten gesellschaftlichen Bereichen auszuarbeiten.
Es gibt demzufolge auch nicht nur eine Organisation der Katholischen Aktion, sondern unter diesem Sammelbegriff sind verschiedene Organisationen, Strukturen und Initiativen zu verstehen, die in ihrem jeweiligen Bereich im Sinne der katholischen Soziallehre wirken. Je nach personellen und materiellen Ressourcen können bestimmte Bereiche natürlich priorisiert werden, etwa indem Bischöfe, Priester oder bereits bestehende Laienorganisationen der Katholischen Aktion auf große aktuelle Herausforderungen ihrer Zeit hinweisen.
Der Charakter der Katholischen Aktion
Wie soll die Arbeit der Katholischen Aktion nun beschaffen sein? Erneut fasst Pius X. es treffend zusammen: „Es ist daher höchst notwendig, dass die Katholische Aktion den günstigen Moment erfasst, mutig vortritt und ihre eigene Lösung vorträgt und zur Geltung bringt mit einer festen, aktiven, intelligenten und disziplinierten Propaganda, sodass sie sich mit der gegnerischen Propaganda messen kann. Die Solidität und Gerechtigkeit der christlichen Prinzipien, die rechte Moral, die die Katholiken vertreten, das Desinteresse am eigenen Vorteil, das nichts anderes freimütig und aufrichtig begehrt als das wahre, dauerhafte, höchste Wohl des Nächsten, schließlich ihre offensichtliche Fähigkeit, besser als andere auch die wirtschaftlichen Interessen des Volkes zu fördern, müssen notwendigerweise Geist und Herzen aller einnehmen, die sie anhören, so dass diese ihre Reihen erweitern, um mit ihnen ein starkes, geschlossenes Korps zu bilden, das fähig ist, dem Gegenstrom kraftvoll zu widerstehen und die Gegner in Schach zu halten. (…) [S]ie muss darüber hinaus unter Anwendung aller praktischen Hilfsmittel, die ihr die Errungenschaften der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an die Hand geben, sich die schon anderweitig gemachten Erfahrungen, die Erkenntnisse der konkreten sozialen Bedingungen und des öffentlichen Lebens, wie es sich in den Staaten gestaltet, zunutze machen.“3 (Pius X.) Kurz gesagt, die Katholische Aktion muss professionell, strukturiert und zielgerichtet vorgehen, dabei geschlossen auftreten und ernsthaft auf das Wohl des Volkes hinwirken.
Sechs Vorschläge für die heutige Zeit
Eine Wiederbelebung der Katholischen Aktion im 21. Jahrhundert muss auf den genannten Grundsätzen aufbauen, um die Ziele der katholischen Soziallehre umzusetzen. Welche konkreten Aufgaben lassen sich daraus nun schlussfolgern? Diese Frage kann nicht abschließend beantwortet werden, hängt dies doch immer auch von den jeweiligen zeitlichen und örtlichen Herausforderungen ab. Ich möchte die Artikelreihe daher mit sechs Impulsen schließen, die als Denkanstöße, Diskussionsansätze und Inspiration für praktische Umsetzungsversuche dienen sollen. Der folgende Abschnitt entspringt also meiner persönlichen Ansicht und darf deshalb gerne kritisiert, debattiert und ergänzt werden.
- Erstens: Es braucht gläubige Führungskräfte! Keine katholische Ordnung entsteht ohne die Gnade Gottes. Wir müssen dafür beten, dass Volk und Staat zur natürlichen und göttlichen Ordnung zurückkehren. Dafür bieten sich die zahlreichen Heiligen, Wallfahrtsorte, Bräuche und Kulturgüter aus dem eigenen Volk an, die Heimatliebe und Glaube fruchtbar miteinander verbinden. Aus dieser übernatürlichen Haltung erwachsen tugendhafte, starke Charaktere:
„Deshalb müssen alle, die berufen sind, diese katholische Bewegung zu leiten, oder die sich ihrer Verbreitung widmen, Katholiken sein, die jeder Prüfung standhalten, überzeugt von ihrem Glauben, gründlich unterrichtet in allen religiösen Dingen, der Kirche und insbesondere dem höchsten Apostolischen Lehrstuhl und dem Stellvertreter Jesu Christi auf Erden aufrichtig ergeben, von echter Frömmigkeit, mannhafter Tugend, reinen Sitten und so untadeligem Lebenswandel, dass sie allen ein wirkungsvolles Beispiel geben können.“4 (Pius X.)
- Zweitens: Keine Praxis ohne Theorie. Wir müssen unser Wissen über die katholische Soziallehre, die BO und die Katholische Aktion vertiefen. Ob Regierungsformen, Umgang mit religiösen Minderheiten, Krieg, Familienpolitik oder Steuern, Löhne, Zinsen und Börsenhandel. Es gibt unzählige Themen, zu denen die Kirche bereits Stellung bezogen hat, was aber heute weitgehend vergessen ist. Päpstliche Enzykliken wie zum Beispiel „Rerum novarum“, „Immortale Dei“ oder „Quadragesimo anno“ sowie Autoren der Soziallehre wie zum Beispiel Heinrich Pesch, Wilhelm Emmanuel von Ketteler, Franz Hitze, Gustav Gundlach und Otto Schilling verdienen es, wiederentdeckt und gelesen zu werden. Für diese Lektüre empfehlen sich besonders lokale Studienkreise, in denen man auch über die praktische Anwendung in der heutigen Zeit diskutieren kann.
- Drittens: Eine Wende in Politik und Wirtschaft erfordert eine Wende in der Kultur. Der ganzheitliche Ansatz der katholischen Soziallehre beinhaltet auch die Wiederherstellung zeitloser Schönheit in Architektur, Kunst, Literatur, Musik, Haushalt, Kleidung, Manieren usw. Durch klassische Konzerte, Theaterstücke, Hand- und Gartenarbeit, Gedichte, Volkslieder und Volkstanz, Erhalt von alten Bildstöcken, Wegkreuzen, Kriegerdenkmälern uvm. kann auch auf einer emotionalen Ebene ein Bewusstsein für die Grundsätze geschaffen werden, nach denen die katholische Soziallehre die Gesellschaft gestaltet. Die schönen Früchte einer katholischen Gesellschaft fördern echte Begeisterung und Hingabe. In allem, was wir tun, gilt deshalb: Überzeitliche Prinzipien statt flüchtiger Trends. Historische Kontinuitäten statt destruktiver Brüche.
- Viertens: Es wäre keine Katholische Aktion, wenn sie nicht aktiv und öffentlich präsent wäre. Abgesehen von den eigenen Prozessionen und Rosenkranzgruppen sollten organisierte Katholiken auch auf Demonstrationen, Kundgebungen, Kongresse etc. zum Schutz von Ehe, Familie, Volk und ungeborenem Leben präsent sein: Um die Zerstörung des Eigenen in allen Bereichen aufzuhalten, ein gutes Beispiel zu geben, konstruktiven Einfluss auf nicht-katholische Kreise auszuüben und dem katholischen Standpunkt selbstbewusst Gehör zu verschaffen. Diese Maxime von Prälat Robert Mäder sollte jeder auswendig lernen: „Das göttliche Herz Jesu treibt Eroberungspolitik. Es will auf die Straße. Es will das ganze öffentliche Leben erneuern.“5
- Fünftens: Eine Gesellschaft gemäß der katholischen Soziallehre ist eine subsidiäre Ordnung und kann damit nicht einfach „von oben“ erzwungen werden. Dies gilt insbesondere für die BO. Natürlich muss der Staat entsprechende Gesetze erlassen. Aber davon sind wir zum aktuellen Zeitpunkt noch weit entfernt. Daher ist jeder Einzelne aufgerufen, die naturrechtlichen Grundlagen einer katholischen Gesellschaft in vielen kleinen Schritten vor Ort zu verwirklichen. Dafür ist das das lokale Engagement in Vereinen, Bürgerinitiativen, berufsständischen Gliederungen etc. hilfreich, in denen wir unsere alltägliche Lebenswelt mitgestalten können. Alternativ oder zusätzlich müssen wir solche (lokalen) Projekte und Strukturen selbst aufbauen. Die Bandbreite reicht von ehrenamtlichen Vereinen bis zu kleinen und mittleren Unternehmen. Die unmittelbaren Ziele sind immer, echten Wert zu schaffen, Gemeinschaften zu bilden, Familien zu stärken, Traditionen wiederzubeleben, Schönheit zu verbreiten etc. Das Fernziel einer katholischen Gesellschaft muss dabei immer im Blick behalten werden. Anstatt das große schöpferische Potential, das in jedem traditionstreuen Katholiken steckt, in den derzeitigen staatlichen Behörden oder Großkonzernen zu vergeuden, brauchen wir mutige katholische Gründer, Entscheider und Multiplikatoren. Der Aufbau lokaler Strukturen darf jedoch nicht dazu dienen, katholische „Wohlfühloasen“ zu bilden, in denen wir einfach in Ruhe gelassen werden. Diese Strukturen sollen vielmehr der Ausgangspunkt für zahlreiche politische, soziale und kulturelle Aktivitäten sein. Schließlich benötigen wir Katholiken, die sich in Gemeinde- und Stadträten oder anderen kommunalpolitischen Gremien engagieren, um langfristig – wie es Leo XIII. ausdrückt – „die Weisheit und Kraft der katholischen Religion wie ein heilkräftiges Lebensblut in die Adern des Staates zu leiten“6.
- Sechstens: Pessimismus ist Feigheit. Wir dürfen nicht auf irgendeine weitere Krise warten, bevor wir damit beginnen, die Gesellschaft zu erneuern. Es gibt heute trotz aller negativen Eindrücke Anknüpfungspunkte für bestimmte Aspekte der katholischen Soziallehre, also aktuelle positive Entwicklungen oder Möglichkeiten, sich in die Gesellschaft einzubringen. Beispielhaft seien hier nur das gestiegene Interesse an lokal und saisonal produzierter Nahrung, traditioneller Kleidung, (Kunst-)Handwerk, Landleben, Brauchtum, Selbständigkeit u.a. Die oberflächliche, materialistische Konsumgesellschaft verliert zunehmend an Reiz. Viele, besonders junge Menschen haben vor allem seit der Corona-Krise ein echtes Bedürfnis nach Ganzheitlichkeit, Natürlichkeit, Authentizität, Tradition und Gemeinschaft. Diese Entwicklungen, die bisher oft nur oberflächlich erscheinen mögen, gilt es aufzugreifen, zu vertiefen und in die richtigen Bahnen zu lenken. Wir haben es in der Hand.
- Siebtens: Es gilt daher in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht die Initiativen zu unterstützen, die dem Gemeinwohl dienen, das Eigene verteidigen, zum Aufbau einer subsidiären Ordnung beitragen sowie Identität und Solidarität erzeugen. Zwar mögen diese oft nicht katholisch sein, aber genau an diesem Punkt kann sich unser Einfluss bemerkbar machen. Wir können hier sehr konkret die Forderung des heiligen Paulus, alles zu prüfen und das Gute zu behalten, zur Anwendung bringen. Zum Beispiel durch die Unterstützung oder Wiederbelebung von Armenspeisungen und Obdachlosenhilfen, Wochenmärkten, Handwerkerringen, Gemeinschaftsgärten, Nachbarschaftshilfen, Schlacht- oder Backhäuser sowie durch kommunalpolitisches Engagement, vor allem, wenn es darum geht, die Islamisierung aufzuhalten, das ungeborene Leben und die Familien zu verteidigen. Dies alles geht – nebenbei bemerkt – auch Hand in Hand mit katholischem Laienapostolat.
Eine Zukunftsvision für die Katholische Aktion
Es gibt genug traditionstreue Katholiken im deutschen Sprachraum, um all diese Aktivitäten effizient – je nach Lebenssituation, Fähigkeiten und Interessen – aufzuteilen und Schritt für Schritt anzugehen. Daraus würde ein großes und tragfähiges Netz der Katholischen Aktion entstehen, deren Knotenpunkte Organisationen, Strukturen und Projekte sind, die nach der katholischen Soziallehre ausgerichtet sind und an ihrer Umsetzung im jeweiligen Bereich arbeiten. Ich persönlich stelle mir ein solches Netz folgendermaßen vor: In größeren Städten finden sich aktivistische Jugendgruppen, studentische Lesekreise, Gesangsrunden, Sport- und Theatergruppen und wöchentliche öffentliche Rosenkränze. In Kleinstädten und Dörfern finden sich Familienkreise, Lerngruppen für Kinder, Wandergruppen, gemeinsam genutzte land- und forstwirtschaftliche Flächen, gemeinsame Back- und Schlachthäuser und genossenschaftliche Betriebe. Darüber hinaus gibt es Verlage, Zeitschriften, Mediengestalter, Anwaltskanzleien, Hilfswerke für Obdachlose, Prostituierte und Drogenabhängige usw. Das gesamte Milieu findet zusammen auf jährlichen Kongressen, Schulungen, Wallfahrten, Prozessionen und Kundgebungen. Dieser großen Aufgabe, die sich über Jahrzehnte hin erstrecken mag, gilt es sich zu stellen. Ein solches Netz könnte ein hohes Maß an katholischer Schaffenskraft, Kreativität und Effektivität entwickeln. Dafür braucht es ein hohes Maß an Einsatz, Aufopferungsbereitschaft und Durchhaltevermögen – und natürlich vor allem Glaube, Hoffnung und Liebe.
Moritz Scholtysik (Berlin)
Die volle Beitragsreihe erschien in der katholischen Jugendzeitschrift Der Gerade Weg.
Fußnoten:
1 Pius XI.: Quas Primas.
2 Pius X.: Il fermo proposito.
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Robert Mäder: Jesus der König, Stuttgart 2014, S. 77.
6 Leo XIII.: Immortale Dei.