Platon: Philosophie der Einheit und des rechten Maßes – eine Einführung

Platon ist der bedeutendste und stärkste Denker des Abendlandes. „Alle abendländische Philosophie besteht aus Fußnoten zu Platon“ (Alfred Whitehead) – so lautet ein bekanntes Urteil über unsere europäische Denktradition. Man kann sagen, dass von Platon alle Gedanken stammen, die noch heute geschrieben und diskutiert werden. Er ist Quelle, Vorbild und Archetyp aller authentischen Philosophie; er ist der Philosoph schlechthin – alle wichtigen philosophischen Begriffe gehen auf ihn zurück. Sein Denken wirkt wie ein selten sichtbarer und meist unsichtbarer Geistesstrom bis in unsere Gegenwart hinein.

Mit dem Themenschwerpunkt Platon will Europa Aeterna zu einer Rückkehr zu den Ursprüngen der politischen Philosophie inspirieren, die bei Platon selbst sowie bei seinem Lehrer Sokrates und insbesondere auch seinem Schüler Aristoteles zu finden sind.

Was lehrte Platon eigentlich?

Leider wurde Platon jedoch vergessen, verdrängt und sogar geschmäht. Sei es seine Ideenlehre und Metaphysik, sein Verständnis von Wahrheit und Philosophie, seine Tugend- und Seelenlehre, sein Verständnis des Mythos und der Eschatologie, sein Konzept eines Idealstaates und der Erziehung, seine Teleologie und Kosmologie – überhaupt die von ihm bestimmten Kulturprinzipien des Wahren, Schönen und Guten: Es gilt, Platons Philosophie wieder zu bergen.

Platon hat uns auch heute noch einiges zu sagen. Auch er lebte in einer Krisenzeit, die der unseren vergleichbar ist, und suchte aus der Sorge um das Wohlergehen der Polis nach Auswegen. Diese Krise beschrieb Platon wie folgt:

„Denn unser Staat wurde nicht mehr verwaltet im Geiste der alten guten Sitten und Einrichtungen, dass die ausdrücklichen Vorschriften der Gesetze unbefolgt blieben, dass die Sitten der Menschen immerfort verderbt wurden, und dass die Verderbnis außerordentlich zunahm. Ferner kann auch kein Staat selbst unter der besten Verfassung zum Glücke des inneren Friedens gelangen, wenn seine Bürger einerseits glauben, alles in übermäßiger Verschwendung durchbringen zu müssen, wenn sie andererseits es für Recht halten, sich weder in körperlicher noch in geistiger Beziehung einer Anstrengung unterziehen zu dürfen, außer wenn es gilt, sich bei schwelgerischen Eß- und Trinkgelagen, sowie im Bette der Wollust zu zeigen. Solche Staaten stehen bald unter einem absoluten Zwingherrn, bald unter der Herrschaft der Geldaristokratie, bald unter einer Pöbelherrschaft, und kommen aus diesen Revolutionen gar nicht heraus, und die Machthaber in denselben können nicht einmal den Namen einer Verfassung hören, welche Freiheit auf dem Grunde eines allgemeinen Rechtes und Gleichheit vor dem Gesetz gewährt.“ (7. Brief)

Auf der Suche nach Gerechtigkeit

Platons Philosophie ist immer auch politisch und als Ordnungsdenken zu verstehen. Im akademischen Mainstream wird er oft als vormoderner Denker als irrelevant abgetan oder verzerrt dargestellt, ja zu Unrecht als „Feind der offenen Gesellschaft“ (Popper) verunglimpft. Ein neuer Dialog zwischen Platon und allen wichtigen Denkern, die die Gegenwart geprägt haben, ist daher sinnvoll.

Platon bietet alle Argumente, um falsches Denken und dessen Prämissen besser zu verstehen und zu überwinden, wie er es in seiner Auseinandersetzung mit den Sophisten zeigte. Insbesondere geht es Platon um die Gerechtigkeit angesichts aller Scheingerechtigkeit – Platon ist tatsächlich der erste Denker des „Rechtsstaates“ (Ernst Cassirer), nämlich eines theologisch begründeten:

„Wir verstehen von diesen Dingen nichts, vertrauen sie auch bei Gründung unseres Staates, wenn wir vernünftig sind, keinem anderen an, bedienen uns keines anderen Auslegers derselben als des von den Vätern her verehrten Gottes.“ (Politeia, IX. Buch)

Die Bedeutung Platons

Prof. Harald Seubert zeigt wie sich Platon – im Rückgriff auf Sokrates – der Sophistik und dem Relativismus seiner Zeit entgegenstellt und die Frage nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Tugend neu ins Zentrum rückt. Anhand zentraler Dialoge wie der Apologie, dem Charmides, dem Euthyphron und der Politeia wird deutlich, dass Philosophie bei Platon kein abstraktes Gedankenspiel ist, sondern eine existenzielle Bildung der Seele. Der Vortrag macht zugleich die hohe Aktualität dieses Denkens sichtbar, etwa im Blick auf Politik, Medien, Ideologien und die Spannung zwischen Schein und Sein.

Sehen Sie hier ein weiteres Video über die historische Bedeutung Platons.

Die berühmten maßgebende Worte des Sokrates, des Lehrers und Meisters Platons, aus seiner Verteidigungsrede vor seiner Verurteilung:

„Ich bin euch, ihr Athener, zwar zugetan und Freund, gehorchen aber werde ich lieber dem Gott als euch, und solange ich noch atme und die Kraft dazu habe, werde ich nicht aufhören, nach Weisheit zu suchen und jeden von euch, den ich antreffe, zu ermahnen und auf meine gewohnte Art zurechtzuweisen, etwa: ‚Mein Bester, du bist doch ein Athener, ein Bürger der größten und an Bildung und Macht berühmtesten Stadt. Schämst du dich nicht, dass du dich zwar darum bemühst, wie du zu möglichst viel Geld, zu Ruhm und Ehre kommst, aber dich nicht um die Einsicht und die Wahrheit sorgst und kümmerst und darum, dass deine Seele möglichst gut werde?‘ Und wenn einer von euch widerspricht und behauptet, er bemühe sich darum, dann werde ich ihn nicht gleich loslassen und fortgehen, sondern ihn fragen und prüfen und ausforschen. Und wenn ich dann den Eindruck bekomme, dass er keine Tugend besitzt und das dennoch behauptet, so werde ich ihn tadeln, dass er das Wertvollste am geringsten, das Minderwertige aber höher schätze. So will ich es mit jedem halten, dem ich begegne, mit Jungen und Alten, Fremden und Bürgern, vor allem mit euch Bürgern, die ihr mir von Natur aus nähersteht; denn das, wisst es nur, befiehlt der Gott. Und ich glaube, dass euch noch nie eine größere Wohltat im Staat erwiesen wurde als dieser Dienst, den ich dem Gott leiste. Denn nichts Anderes tue ich, als dass ich umhergehe, um Jung und Alt unter euch zu überreden, nicht mehr so sehr für den Leib zu sorgen und für das Geld, sondern euch mehr um die Seele zu kümmern und darum, dass sie möglichst gut werde.“ (Apologie)

Sehen sie hier der Tod des Sokrates von Josef Pieper.

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